Sonntag, Oktober 21, 2018
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Hirtenstab und Lanze


Zedek –  ein Mann, geübt im Umgang mit Hirtenstab aber auch Lanze. Unterhändler seines Stammes. Ein Nomade, vertraut mit den Problemen des Stadtlebens. Ein geheim­nisvoller Mann, gequält von einem dunklen Geheimnis in seiner Vergangenheit. An einem Wendepunkt seines Lebens. Wohin wird sein ungewisser Weg ihn führen?

Die Titelfigur des Romans kennt wohl jeder, der irgendwann eine religiöse Bildung genossen hat. Es ist die Geschichte jenes Mannes, dessen Name übersetzt ‚Lanze’ bedeutet. Er war Ackerbauer und er war der böse Bruder, der den lieben, guten Bruder erschlagen hat. Dafür wurde er, wie es sich gehört, verflucht. Das verdiente Ende für einen bösen Menschen.
Doch jeder, der sich ein wenig intensiver mit der Geschichte dieser Figur beschäftigt hat, weiß, dass diese Geschichte so nicht stimmt.
„Seit der Zeit, da ich lesen kann“, so sagt die Autorin, „fasziniert mich die Geschichte dieses Mannes. Und je älter ich wurde, umso mehr interessierte es mich zu erfahren, warum dieser Mann ‚verflucht’ wurde – nicht von seinem Gott. Der Text der Geschichte sagt ganz deutlich: Berufsverbot!“
Was wurde wirklich aus diesem Mann? Immerhin hatte er eine Frau, einen Sohn und sicher noch mehr Kinder. Was für ein Vater war er? Er, der selber so schwer gefehlt hatte? Was war dieses Land ‚Nod’, in dem er lebte?

Es brauchte ein Studium der Geschichte und fast 50 Jahre Lebenszeit, um befriedigende Antworten für die nur in Fragmenten erhaltene Geschichte dieses Mannes zu finden. 1990 begann die Autorin, diese Geschichte aufzuschreiben, doch bald geriet durch verschiedenste Umstände das Schreiben in Vergessenheit.
Anfang des Jahres 2009 ließen interessierte und bohrende Fragen von zwei sehr lieben Freunden sie die Geschichte erneut hervorholen, denn sie hatte auf einmal das dringende Gefühl, dass sie die Geschichte dieses Mannes unbedingt beenden müsste. 
Viel Übersetzungsarbeit aus dem Hebräischen und historische Nachforschungen – der Roman spielt immerhin im 3. Jahrtausend vor unserer Zeit –, ließen die Autorin immer mehr Antworten finden sich. Nach und nach entwickelte sich so ein historischer Roman über einen Mann, den man landläufig vielleicht nicht als ‚historische Person’ bezeichnen würde, zumindest nicht so wie Abraham oder König David oder Karl den Großen. Als ‚personifizierte Menschheitserfahrung’ ist er jedoch wieder historisch.

Christine Metzen-Kabbe gelingt es, das komplexe historische Geschehen in einfühl¬samer und spannender Weise erzählerisch umzusetzen. Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen mag.